Sterilisation / Kastration

Langzeit Gesundheitsrisiken und Nutzen des Sterilisierens und Kastrierens

Hundebesitzern wird von Ihren Tierärzten nicht selten geraten, Ihre Tiere kastrieren/sterilisieren zu lassen, weil dies aus gesundheitlichen Gründen empfehlenswert wäre. Dabei werden ein paar Vorteile genannt, aber die Risiken werden entweder nicht erwähnt oder heruntergespielt. Die Autorin hat deshalb in ihrem Artikel die Langzeit Gesundheitsrisiken, die Sie in der medizinischen Veterinärliteratur fand, zusammengetragen. Nicht berücksichtigt wurden dabei allerdings die Bedeutung der Kastration für die Populationskontrolle oder der Einfluss auf das Verhalten eines Tieres. Wenn man entsprechende Literatur objektiv liest, offenbart sich eine komplexe Situation, und es wird deutlich, dass das Kastrieren/Sterilisieren beim Hund mit positiven UND negativen Gesundheitsauswirkungen verbunden ist. Auch weist einiges darauf hin, dass wir von dem Thema noch nicht viel verstehen. Im großen und ganzen scheint es noch keinen zwingenden Grund dafür zu geben, die meisten Rüden - vor allem nicht die jungen - vorsorglich kastrieren zu lassen, denn man kann mehr Nachteile als Vorteile dazu aufzählen.

Vorteile, einen Rüden kastrieren zu lassen:

> Das sowieso unbedeutende Risiko an Hodenkrebs zu sterben, wahrscheinlich < 1 % Todesrate > entfällt. Hodentumore bei älteren Rüden werden zwar mit 7 % Vorkommen angegeben, aber da sich nur selten Metastasen bilden, sind die Behandlungschancen sehr gut. Bei Kryptorchiden ist das was anderes. Bei ihnen können die innen liegenden Hoden 13,6 mal häufiger entarten. Darüber hinaus ist es auch schwieriger, diese routinemäßig zu untersuchen.

> Das Risiko an Prostataerkrankungen, die nichts mit Krebs zu tun haben ( BPH, Prostatavergrößerung ), verringert sich. Die meisten Prostatavergrößerungen verursachen keine Probleme, aber manchmal hat der Rüde Schwierigkeiten, Kot oder Urin abzusetzten.Nach der Kastration verkleinert sich die Prostata relativ schnell wieder. BPH kann mit anderen Prostatadrüsenproblemen einhergehen ( z.B. Infektion, Abzess und Zysten).

> Das Risiko von perianal ( Gebiet um den After ) Fisteln verringert sich ( Die Infos waren aber nicht beweiskräftig ).

Nachteile der Rüdenkastration:

> Deutlich erhöhtes Risiko von bösartigem Knochkrebs ( Osteosarkom ), vor allem bei Rüden, die unter einem Jahr kastriert wurden. Es ist erwiesen, das Sexhormone einen Einfluss auf die Erhaltung der Skelettstruktur und -masse haben.

> Das Risiko von Herzarkomen wird um den Faktor 1.6 erhöht.

>  Es verdreifacht sich das Risiko der Schilddrüsenunterfunktion. Forscher nehmen an, dass Sexhormone Einfluss auf das Immunsystem haben. So erhöht bei Mäusen eine Kastration die Schwere der Autoimmun-Schilddrüsenerkrankung. Ähnlich können sich bei Hunden der Zusammenhang zwischen Kastration/Sterilisation und Schilddrüsenunterfunktion erklären.

> Erhöht das Risiko fortschreitender Wahrnehmungsstörungen im Alter ( fehlende Orientierung, veränderungen beim sozialen Zusammenspiel mit Familienmitgliedern, Verlust der Stubenreinheit und Änderungen im Schlaf-Wach-Zyklus).

> Verdreifach das Fettleibigkeitsrisiko inkl. der damit verbundenen Gesunudheitsprobleme ( z.B. Diabetes mellitus, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Kreuzbandriss....).

> Vervierfacht das geringe Risiko ( 0,6 % ) von Prostatakrebs. Eine Studie lässt sogar vermuten, dass Hodenhormone beim Hund gegen Prostatakarzinome schützen oder indirekt Einfluss auf die Krebsentwicklung haben, in dem sie das Milieu in der Prostata positiv verändern.

> Verdoppelt das geringe Risiko ( 1 % ) von Harntraktkrebs.

>  Erhöht das Risiko orthopädischer Erkrankungen ( z.B. Kreuzbandriss ). Die Kastration/Sterilisation von Junghunden verzögert den Verschluss der Wachstumsplatten, so das die Knochen erheblich länger werden können als bei intakten Hunden oder solchen, die nach der Geschlechtsreife kastriert/sterilisiert wurden. Da das Wachstum der verschiedenen Knochen zu unterschiedlichen Zeiten aufhört, könnte dies in unnatürlichen Proportionen resultieren, was wiederum Einfluss auf die Funktion und Stabilität der Gelenke haben könnte. Lässt man vor dem Alter von 5 1/2 Monaten kastrieren/sterilisieren ist die verbunden mit einem 70% erhöhten Risiko von Hüftgelenkdysplasie. Im Vergleich zu intakten Hunden haben kastrierte/sterilisierte Hunde auch ein 3.1- fach erhöhtes Risiko von Patella Luxation.

> Erhöht das Risiko von Impfnebenwirkungen ( allergische Reaktionen, Ausschläge, Anaphylaxie ( schwere Überempfindlichkeitsreaktion, die den ganzen Organismus betrifft ), Herzstillstand, kardiovaskulärem ( Herz-Kreislauf betreffend  Schock und plötzlichem Tod ) bis zu 27 % vor allem bei kleineren Rassen.

Bei der Hündin ist die Situation weitaus komplexer. Es sieht so aus, als ob die Gesundheitsvorteile oder -nachteile vom Alter der Hündinund dem relativen Risiko der diversen Erberkrankungen in den unterschiedlichen Rassen abhängig sind.

Vorteile, der Hündinnen Sterilisation:

> Hündinnen, die vor einem Alter von 2,5 Jahren sterilisiert werden, erkranken viel seltener an bösartigen Mammatumoren. In der Tat sind Milchleistentumore die häufigste Tumorart bei nicht sterilisierten Hündinnen. 50-60 % dieser Tumore sind bösartig mit einem großen Risiko Metastasen zu bilden. Studien zeigen, das das relative Risiko ( Chancen-Verhältnis ), das eine kastrierte Hündin im Vergleich zu einer nicht sterilisierten Hündin Brustkrebs entwickelt, abhängig davon ist, wie viel Läufigkeiten sie bereits hatte ( relevant zumindest bis zu einem Alter von 30 Monaten ). Es gibt hinweise, dass Rassehunde im Vergleich zu Mischlingen ein höheres Risiko haben. Und Rassehunde mit hohem Inzucht-Koeffizient haben wahrscheinlich ein höheres Risiko verglichen mit denen mit niedrigem Inzucht-Koeffizienten.

> Das Pyometra Risiko ( Gebärmuttervereiterung ), das bei 23 % intakter Hündinnen besteht und bei 1 % tödlich endet, wird sozusagen ausgeschlossen. In den meisten Fällen kann Pyometra aber meditinisch oder chirurgisch behandelt werden.

> Es reduziert das perianal Fistel Risiko.

> Das sehr geringe Risiko ( 0,5 % ) von Uterus, Gebärmutterhals und Eierstock Tumoren besteht nicht mehr.

Die negative Seite, wenn man Hündinnen sterilisieren lässt:

> Deutlich erhöhtes Risiko von bösartigem Knochenkrebs ( Osteosakom, vor allem bei Hündinnen die unter einem Jahr sterilisiert wurden.

> Erhöht die Risiken von Hämangiom ( Blutschwamm/Wucherung) Sarkomen der Milz ( um den Faktor 2.2 ) und des Herzens ( um einen Faktor > 5). Bei manchen Rassen sind die Krebsarten häufig Todesursachen.

> Verdreifacht das Risiko der Schilddrüsenunterfunktion.

> Erhöht das Fettleibigkeitsrisiko damit verbundenen Gesundheitsproblem um einen Faktor von 1.6-2.

> Verursacht Sterilisations - Harninkontinenz ( unwillkürlicher Harnabgang ) bei 4- 20 % der Hündinnen. Der Harnröhrenschließmuskel funktioniert dann nicht mehr richtig. Der biologische Mechanismus ist bis heute ungeklärt. Betroffene Hündinnen reagieren meist ( wenn auch nicht alle ) gut auf Medikament, die dann aber häufig bis zum Lebensende gegeben werden müssen.

> Erhöht das Risikopersistierender ( bestehen bleibender ) oder immer wieder kehrender Urintrakt    ( Blasen ) Infektionen um einen Faktor 3 - 4 vor allem bei Hündinnen, die schon sehr jung sterilisiert wurden.

> Erhöht das Risiko von Vulva Abweichungen und Vaginal Dermatitis, vor allem bei Hündinnen, die vor der Pupertät sterilisiert wurden.

> Verdoppelt das geringe Risiko ( 1 % ) von Harntraktkrebs ( Blasen oder Harnröhrenkrebs ), der fast immer bösartig ist.

> Erhöht das Risiko orthopädischer Erkrankungen. In einer Studie mit Beaglen verursachte das Entfernen der Eierstöcke eine Zunahme der Beckenknochenverformung. Die könnte auf ein erhöhtes HD Risiko hindeuten. Man entdeckte auch einen Knochenmassenverlust in der Wirbelsäule nach der Sterilisation.

> Erhöht das Risiko von Impfnebenwirkungen bis zu 30 % vor allem bei kleineren Rassen.

Komplikationen bei den Operationen:

Alle OP´s beinhalten auch das Risiko von Komplikationen, wie z. B. Antibiotika Nebenwirkungen, Blutungen, Entzündungen, Infektionen usw. Dabei beziehen sich diese Komplikationen nur auf sollche, die man direkt mit der OP in Verbindung bringen kann. Nur wissenschaftliche Studien können Langzeiteffekte bewerten. An einer Veterinärlehrschule wurden 6,3 % intraoperative, 14,1 % postooperative und insgesamt 20,6 % Sterilisations OP Komplikationen nachgewiesen. Andere Studie nennen eine Komplikationsrate von 17,7 % bis 23 %. Von wirklich ernsten Folgeschäden wie Infektionen, Abzessen, Brüchen der OP Wunde sowie angekauten Nähten wird in 1- 4 % der Fälle berichtet, wobei Kastrations und Sterilisations OP´s zu 10 % und 90 % zu buche schlagen.

Es wird deutlich das so manches, was der Öffentlichkeit an Informationen zur Verfügung steht, zu einseitig dargestellt wird oder es sich sogar um Behandlungen handelt, die übertrieben oder ungesichert sind. Die heutzutage schon gängige Junghundkastration/sterilisation scheint Hunde für Gesundheitsrisiken anfälliger zu machen. Diese wären zu vermeiden, wenn man gewartet hätte, bis sie körperlich ausgewachsen oder ( vor allem bei vielen Rüden ) bis es medizinisch wirklich notwendig gewesen wäre. Alles in allem deckt das objektive Lesen der Veterinärliteratur zu diesem Thema eine recht komplexe Situation auf. Die Langzeit Gesundheitsrisiken und die Vorteile der Kastration/Sterilisation sind von einem Hund zum anderen unterschiedlich zu bewerten. Sowohl die Rasse, das Alter und das Geschlecht müssen zusammen mit nicht medizinischen Faktoren für jeden einzelnen Hund in die Waagschale geworfen werden bevor sich für oder gegen eine Kastration/Sterilisation entschieden wird.

Quelle: Sheltie-News

 

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